EARTH DAY FEIERT SEINEN 50. GEBURTSTAG

21.04.2020 Gastbeitrag Vanessa Hausegger

Am 22. April ist es wieder so weit, Earth Day ist da. Doch was ist Earth Day eigentlich, wie ist dieser Tag entstanden und was hat er für einen Sinn?

Die Geschichte
Der erste Earth Day fand bereits am 22. April 1970 in den USA statt. Damals haben viele Menschen gegen den Vietnam Krieg und Ungerechtigkeiten in unseren Gesellschaften protestiert. Unter anderem durch eine Ölkatastrophe in Kalifornien und ein aufsehenerregendes Buch (Stummer Frühling von Rachel Carson) über den Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit wurden die Menschen auch immer mehr auf die nahende Umweltkatastrophe aufmerksam. Gaylord Nelson, ein amerikanischer Abgeordneter, nutzte die Energie der Proteste gegen den Krieg und begann in den Nachrichten Informationen über Luft- und Wasserverschmutzung zu verbreiten. Daraufhin gingen am 22. April 1970 20 Millionen Amerikaner auf die Straßen, um für eine saubere, gesunde Umwelt zu demonstrieren. 1990 war der Earth Day dann zum ersten Mal ein weltweites Event, an dem 141 Länder und 200 Millionen Menschen teilnahmen um mehr Aufmerksamkeit auf die Umweltverschmutzung zu lenken. Dieses Ereignis führte dazu, dass sich die Mitglieder der UNO 1992 in Rio de Janeiro zu einem ‘Erdgipfel’ trafen und gemeinsam über Umwelt und Entwicklung sprachen.
Dank des Internets konnten in den letzten Jahren mehr als eine Milliarde Menschen weltweit mobilisiert werden, so ist Earth Day heute die global größte außerkirchliche Zusammenkunft von Menschen.

Warum der 22. April?
Dieses Datum fällt zwischen die in Amerika berühmten Spring Break Ferien und die Abschlussprüfungen für viele Studenten.

Errungenschaften seit dem ersten Earth Day
In Amerika hatte der Earth Day einen großen Einfluss darauf, dass Umweltthemen es weiter nach oben in der politische Tagesordnung schafften und so wurde das Umweltschutzbüro (Environmental Protection Agency) nach den ersten Demonstrationen gegründet. Weiters wurden neue Gesetze erlassen, wie zum Beispiel Bestimmungen gegen Luftverschmutzung und für sauberes Trinkwasser. Diese neue Denkweise verbreitete sich schnell weltweit und in vielen Ländern wurden Gesetze zum Schutz der Umwelt eingeführt.

Die globalen Errungenschaften der Umweltbewegung:

  • CITES (Convention on International Trade in Endangered Species) wurde gegründet, eine Konvention zum Schutz von bedrohten Tierarten.
  • Der Walfang durch die internationale Walfangkommission großteils verboten.
  • Zum Schutz der Ozonschicht wurde das Montreal Protokoll unterschrieben.
  • Beim bereits erwähnten Erdgipfel in Rio 1992 haben alle teilnehmenden Länder beschlossen, dass sie gemeinsam gegen den damals bereits bekannten Klimawandel ankämpfen wollen.
  • 1993 wurde die UN Konferenz zum Schutz der Biodiversität gegründet und beschlossen, dass alle daran arbeiten, unsere Artenvielfalt zu schützen.
  • Mit dem Kyoto Protokoll wurde das erste Klimaabkommen von 191 Ländern und den Staaten der EU unterzeichnet, nur Sudan, Afghanistan und die USA haben damals nicht unterschrieben.
  • Da das Kyoto Protokoll 2020 ausläuft, wurde 2015 das Pariser Abkommen unterzeichnet, welches noch ehrgeizigere Ziele und Handlungen der teilnehmenden Länder (alle außer Syrien, Nicaragua und USA) fordert.

Earth Day Heute
Der Earth Day feiert 2020 seinen 50. Geburtstag und steht unter dem Motto „Climate Action“, ganz einfach aus dem Grund, weil die Klimakrise durch ihr Voranschreiten die größte Gefahr unserer Zeit ist und raschem Handeln bedarf.
Dies hat auch gerade 2020 eine noch größere Bedeutung, da unsere Entscheidungsträger Ende des Jahres neue Klimaziele unter dem Pariser Klimaabkommen setzen müssen. Das Abkommen sieht vor, dass Regierungen weltweit lang- und kurzfristige Ziele setzen. Zum einen sollen alle Regierungen Pläne einreichen, wie sie bis 2050 eine Dekarbonisierung erreichen wollen sowie striktere Maßnahmen, die bis 2030 erreichen werden sollen. Der Earth Day will deshalb „Climate Action“ in den Vordergrund rücken und damit unsere Politiker dazu anregen,  endlich zu handeln.

Wegen der momentanen Situation im globalen Umfeld der Corona-Pandemie sieht der Earth Day natürlich anders aus als geplant. Dennoch haben sich die Organisatoren weltweit einiges einfallen lassen, um den Earth Day digital stattfinden zu lassen. Zum einen wird zur Earth Challenge 2020 aufgerufen – das größte citizen science Projekt der Welt. Dazu kann ma sich einfach eine App im jeweiligen App Store runterladen und gleich loslegen. Über die App können Daten zur Plastik- und Luftverschmutzung festgehalten werden und so kann jede/r bei einer globalen Bestandsaufnahme mithelfen.
Zusätzlich kann man auf der Earth Day-Website seinen eigenen „Act of Green“ teilen. Das kann etwas sein, was das Leben zu Hause nachhaltiger gestaltet oder auch etwas das man öffentlich verspricht von nun an zu machen. Geteilt werden kann alles, was unserem Planeten zu einer nachhaltigeren Zukunft verhilft.
Außerdem gibt es auf der Earth Day Webseite ein großes digitales Angebot an Konferenzen, Präsentationen, Filmscreenings, Diskussionen, Webinars oder sogar “green parties” zusammen mit verschiedenen Künstlern.

Wie man sieht, die Umstände sind ganz andere als beim ersten Earth Day vor 50 Jahren. Trotzdem kommen wir zusammen und geben diesen Kampf für eine bessere Zukunft nicht auf – egal ob analog oder digital.

Gastbeitrag von Vanessa Hausegger MSc. (Environment and Resource Management)

Quelle: https://www.earthday.org/

Fotocredit: https://www.earthday.org/